Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Hier finden Sie Antworten der Chemie-Arbeitgeber auf viele Fragen, die Mitarbeiter und Unternehmen unserer Branche bewegen. Unsere Antworten sind verständlich aufbereitet und greifen aktuelle Entwicklungen auf, die in den Betrieben diskutiert werden.

 

An erster Stelle sind es die Unternehmen und Mitarbeiter selbst, die den digitalen Wandel gestalten – mit neuen Geschäftsmodellen, guten Ideen und Mut zur Veränderung. Wenn es konkret um die Arbeitswelt 4.0 geht, spielen zudem die Sozialpartner eine wichtige Rolle. Chemie-Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG BCE haben eine Dialogplattform eingerichtet, in der die wichtigsten Themen gemeinsam besprochen werden: Arbeitszeit und Arbeitsort, Gutes und Gesundes Arbeiten, Bildung und Führung (www.work-industry40.de).

Digital Farming, 3D-Druck oder digitale Medizin - die technische Entwicklung eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten, von denen Unternehmen und Beschäftigte profitieren können. Die Nutzung von Daten und der Einsatz digitaler Werkzeuge bieten neue Chancen in Forschung und Entwicklung, in der Produktion wie auch im Marketing. Insgesamt kann die chemische und pharmazeutische Industrie zu einem der Gewinner der Digitalisierung werden – wenn wir die Chancen nutzen und innovativ bleiben.

Selten ging es Deutschland so gut wie heute. Rekordbeschäftigung und steigende Löhne sind der Beweis, dass die Menschen in unserem Land von der guten wirtschaftlichen Lage profitieren. In der chemischen Industrie sind die Löhne innerhalb von zehn Jahren um 27 Prozent gestiegen. Real haben die Chemie-Beschäftigten heute 15 Prozent mehr Geld im Portemonnaie als noch 2007. Kaum ein Land hat zudem ein solch ausgeprägtes soziales Netz wie Deutschland. Damit uns diese guten Voraussetzungen erhalten bleiben, brauchen wir weniger Regulierung, mehr Flexibilität und mehr Raum für Innovationen. Denn soziale Gerechtigkeit ist ohne eine starke Wirtschaft nicht zu haben.

Nein. Die Agenda 2010 hat die deutsche Wirtschaft besser und wettbewerbsfähiger gemacht. Auch dank der Agenda-Politik feiern wir Jahr für Jahr neue Beschäftigungsrekorde. Damit das so bleibt, müssen wir weiterhin den Anspruch haben, Arbeitslose möglichst schnell in Jobs zu bringen – statt die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes zu erhöhen. Denn das würde die Sozialausgaben weiter in die Höhe treiben. Und die steigen in Deutschland schon seit fünf Jahren schneller als die Wirtschaftsleistung.

Die Krisen der letzten Jahre haben die Europäische Union auf die Probe gestellt wie selten zuvor. Nicht immer hat die EU dabei ein gutes Bild abgegeben, etwa beim Umgang mit Flüchtlingen oder in der anhaltenden Schuldenkrise. Der Rückhalt der EU bei ihren Bürgern scheint zu schwinden; anti-europäische Kräfte haben dadurch Auftrieb erhalten. Um Europa wieder zu stärken, müssen wir besser erklären, dass Frieden, Freiheit und Wohlstand für die Menschen nicht selbstverständlich, sondern Ergebnisse der europäischen Einigung sind. Allerdings sollte die EU auch nicht alles regeln, sondern nur dort aktiv werden, wo möglichst viele davon profitieren, zum Beispiel bei der Gestaltung des Binnenmarktes.

In der Rentendebatte wird das Risiko von Altersarmut zu oft überzeichnet, um damit politische Forderungen zu begründen. Dabei sind derzeit weniger als drei Prozent der Altersrentner auf die Grundsicherung angewiesen. Bis 2030 wird ihr Anteil auf maximal fünf Prozent steigen. Das zeigt: Altersarmut wird kein Massenphänomen. Zugleich wird zu oft ausgeblendet, dass infolge der demografischen Entwicklung immer weniger Beschäftigte immer mehr Renten finanzieren müssen. Dies stellt die gesetzliche Rentenversicherung vor enorme Herausforderungen. Deswegen hat der Gesetzgeber bereits Anfang der 2000er Jahre entschieden, das Renteneintrittsalter anzuheben, das Leistungsniveau zu reduzieren und zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge zu fördern. Nur so werden die Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkendem Arbeitskräftepotenzial fairer zwischen den Generationen verteilt.

Derzeit beträgt der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung 14,6 Prozent. Diesen Beitrag tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Darüber hinaus müssen Krankenkassen einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag von den Beschäftigten erheben, wenn ihre Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds nicht zur Deckung ihrer Ausgaben reichen. Im Schnitt liegt dieser derzeit bei 1,1 Prozent. Die Arbeitgeber kommen hingegen alleine für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf. Zuletzt (2015) waren dies 54,2 Mrd. Euro, das entspricht 4,6 Beitragspunkten. Die alternde Bevölkerung und der medizinische Fortschritt werden die Gesundheitsausgaben künftig weiter in die Höhe treiben:  Selbst bei gleichbleibendem Leistungsniveau ist mit einer deutlichen Erhöhung der Beitragssätze auf 19,2 Prozent bis 2040 zu rechnen – eine Entwicklung, die Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen trifft. Der Problemdruck im System der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt bestehen. Deshalb ist Wettbewerb zwischen den Krankenkassen so wichtig. Dieser Wettbewerb wird derzeit über den arbeitnehmerfinanzierten Zusatzbeitrag erzeugt und muss dringend erhalten bleiben.

Die Einschränkung von Befristungen schafft nicht mehr unbefristete Jobs; sie führt lediglich dazu, dass befristete Jobs gar nicht mehr angeboten werden und damit vielen Menschen dieser Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht mehr offensteht. Zudem sollte man die Relationen kennen: Befristungen machen nicht einmal zehn Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse aus. Nur ein Bruchteil davon erfolgt ohne Sachgrund. Hinzu kommt, dass fast 40 Prozent der befristet Beschäftigten nach Ablauf der Befristung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Das zeigt: Oft ist die Befristung ein Sprungbrett für einen unbefristeten Stammarbeitsplatz. Auch die sachgrundlose Befristung ist ein wichtiger Beitrag zur Flexibilität der Wirtschaft: Sie baut Einstellungshürden ab und erhöht die Chancen auf einen dauerhaften Arbeitsplatz. Befristungen sind nicht zuletzt Ausdruck unternehmerischer Freiheit, die nicht eingeschränkt werden darf.

Die Integration von Flüchtlingen stellt den deutschen Arbeitsmarkt vor eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre. Diese Aufgabe wird Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer langfristig fordern. Eine erfolgreiche Integration setzt voraus, dass die Menschen ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen können. Erste Erfahrungen mit der Integration von Flüchtlingen in den Unternehmen zeigen, wie groß diese Herausforderung ist. Bei ihrer Bewältigung müssen die unterschiedlichen Stärken der deutschen Wirtschaft genutzt werden. Gerade für international aufgestellte Industriebranchen, deren weltweiter Erfolg auf dem hohen Qualifikationsniveau ihrer Beschäftigten basiert, wird es sehr schwierig, reguläre Arbeitsplätze ohne oder mit niedrigen Anforderungen anzubieten. In der Chemie- und Pharmaindustrie gibt es solche Tätigkeiten kaum noch. Wir konzentrieren unser Engagement für die Integration von Flüchtlingen deshalb auf die Bereiche, in denen wir langfristig die größten Erfolge erwarten können: Das ist insbesondere die Ausbildungsvorbereitung von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive in Deutschland. So haben die Unternehmen Initiativen gestartet, um Flüchtlinge auf eine Ausbildung vorzubereiten. Diesem Zweck dienen auch die bewährten Programme „Start in den Beruf“ und „StartPlus“ der Chemie-Sozialpartner.

Als international agierende Hightech-Industrie setzt die Chemie auf qualifiziertes Fachpersonal entlang der gesamten Wertschöpfungskette, ob Facharbeiter, Meister, Techniker oder Akademiker. Die Belegschaften in der Chemie-Branche verfügen über ein im Industrievergleich hohes Qualifikationsniveau. Fast 9 von 10 Chemie-Beschäftigten haben eine duale Ausbildung oder eine höhere Qualifikation. Was den fachlichen Hintergrund angeht, haben zwei Drittel der Beschäftigten  eine MINT-Qualifikation – dies gilt sowohl im beruflichen als auch im akademischen Beschäftigtensegment. Nach der Ausbildung ist mit der beruflichen Entwicklung noch lange nicht Schluss: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in der Chemiebranche, sich weiterzubilden und einen Schritt vorwärts zu gelangen, darunter Zertifikatslehrgänge, Aufstiegsfortbildungen, Meister-Fortbildungen oder ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium. Eine Übersicht der Entwicklungschancen und der konkreten Wege, sie zu nutzen, bietet der Berufskompass Chemie: www.berufskompass-chemie.de