Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Hier finden Sie Antworten der Chemie-Arbeitgeber auf viele Fragen, die Mitarbeiter und Unternehmen unserer Branche bewegen. Unsere Antworten sind verständlich aufbereitet und greifen aktuelle Entwicklungen auf, die in den Betrieben diskutiert werden.

 

Auch das Weihnachtsgeld ist ein zusätzliches Entgelt, das in der Regel zum Jahresende ausgezahlt wird. Ursprünglich ist es eingeführt worden, um Arbeitnehmer beim Kauf von Geschenken und der Organisation des Fests zu unterstützen.

Laut einer Umfrage des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) bekommen in Deutschland 55 Prozent der Arbeitnehmer Weihnachtsgeld. Dabei ist der Anteil der Empfänger unter Beschäftigten in Unternehmen mit Tarifvertrag mit 74 Prozent wesentlich höher als bei Arbeitnehmern ohne Tarifvertrag: Von ihnen bekommen nur 44 Prozent Weihnachtsgeld. Ähnlich sieht es beim Urlaubsgeld aus, das 73 Prozent der Arbeitnehmer tarifgebundener Unternehmen erhalten, aber nur 38 Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen ohne Tarifbindung.

Auch zwischen den Branchen schwanken die Anteile der Empfänger von Zusatzentgelten stark: So erhielten 66 Prozent der Arbeitnehmer des Verarbeitenden Gewerbes 2017 Urlaubsgeld, zu dem auch die Chemie- und Pharmaindustrie gehört. Dagegen gaben nur 22 Prozent der Beschäftigten aus der Informations- und Kommunikationsbranche an, Urlaubsgeld zu bekommen.

Es gibt keinen grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Allerdings kann sich ein Anspruch ergeben, wenn die Sonderzahlungen im Arbeitsvertrag geregelt sind, es eine betriebliche oder eine tarifliche Vereinbarung dazu gibt und der Tarifvertrag für das Arbeitsverhältnis angewendet wird. Ein Anspruch kann sich auch ergeben, wenn es eine sogenannte betriebliche Übung gibt, weil Urlaubs- oder Weihnachtsgeld regelmäßig gezahlt werden.

Bei den tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldern schwanken die Leistungen zwischen 155 und 2.355 Euro in der mittleren Vergütungsgruppe. Die Beschäftigten in der Landwirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe bekamen zuletzt mit gut 200 Euro in West- und zwischen 155 und 190 Euro in Ostdeutschland den geringsten Zuschuss zur Urlaubskasse. In der Holz- und Kunststoffindustrie lagen die Sonderzahlungen mit bis zu 2.355 Euro am höchsten.

Viele Branchen haben ihr Urlaubsgeld zuletzt erhöht. Besonders viel haben die Chemie-Arbeitgeber aufgeschlagen: Nach einer Erhöhung von 614 auf 1.200 Euro jährlich durch den Tarifabschluss 2018 können Arbeitnehmer mit fast doppelt so viel Budget an ihre Urlaubsplanung gehen.

Beim Weihnachtsgeld wird meist ein fester Prozentsatz vom regulären Monatseinkommen bezahlt. Grundsätzlich ist die Zahlung von Weihnachtsgeld in den meisten Wirtschaftszweigen tarifvertraglich festgehalten. Dort, wo die Tarifabschlüsse dieses Jahr höher ausgefallen sind, steigen auch die tariflichen Weihnachtsgelder stärker.

In der chemischen Industrie wird das Zusatzentgelt zum Jahresende als Jahresleistung bezeichnet. Sie liegt bei 95 Prozent des monatlichen Tarifentgelts. Nach der jüngsten Tarifeinigung, die die Entgelte für eine Laufzeit von 15 Monaten um 3,6 Prozent erhöht, steigt also auch die Jahresleistung entsprechend.

Alle Ergebnisse der Chemie-Tarifrunde 2018 finden Sie in unserer Analyse.

Für die Tarif-Mitarbeiter der Chemie zahlt der Arbeitgeber über das Urlaubsgeld und die Jahresleistung hinaus jährlich 750 Euro pro Kopf in den tariflich vereinbarten Demografiefonds ein. Dieser Betrag fließt auf Grundlage einer freiwilligen Betriebsvereinbarung in die Finanzierung eines oder mehrerer der folgenden Zwecke ein: Langzeitkonten, Altersteilzeit, Teilrente, Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, tarifliche Altersvorsorge, reduzierte Vollzeit mit z. B. 80 Prozent Arbeitszeit, Gesundheitsvorsorge.

Außerdem gibt es in der Chemie einen Anspruch auf tarifliche Altersvorsorge: Das sogenannte Chemie-Modell beruht auf dem Prinzip der sogenannten Bruttoentgeltumwandlung. Jedem Vollzeitbeschäftigten steht dazu jährlich ein Grundbetrag von 478,57 Euro zu. Obendrauf gibt es 134,98 Euro Förderung für den Aufbau einer zusätzlichen Altersversorgung. Dadurch können Arbeitnehmer also jedes Jahr bis zu 614 Euro in die Altersvorsorge investieren, ohne dass sich ihr Nettoeinkommen verringert. Wollen sie noch mehr investieren, legt der Arbeitgeber 13 Euro für jede weiteren 100 Euro drauf, die der Arbeitnehmer aus dem eigenen Entgelt umwandelt – bis zu einer gesetzlich festgelegten Obergrenze. In vielen Unternehmen wird auch der Demografie-Betrag von bis zu 750 Euro eingesetzt, um die Altersvorsorge zu stärken.

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ist robust. 2017 haben die Firmen mit einem Plus bei Produktion und Umsatz von 2,9 bzw. 6,1 Prozent im Vergleich zu 2016 abgeschlossen. Auch die Mitarbeiterzahl stieg um 1,2 Prozent. Antreiber der wirtschaftlichen Entwicklung ist die gute Industriekonjunktur in Deutschland – aber vor allem in den wichtigen Exportmärkten im EU-Ausland, Asien und Amerika. Dass die deutschen Chemieunternehmen ihren Auslandsumsatz stärker steigern konnten als jenen im Inland (+6,6 Prozent gegenüber +5 Prozent) zeigt, wie gefragt ihre Produkte und ihr Knowhow auf den Weltmärkten sind. Die Prognosen für 2018 lassen auf eine Fortsetzung des Wachstums hoffen.

Allerdings könnte eine Abschottung z.B. des US-Markts ebenso negative Folgen haben wie Pläne der großen Koalition, die die Kosten für die Chemieunternehmen steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit mindern könnten.

China ist mit Abstand zum größten Chemie- und Pharmaproduzenten der Welt aufgestiegen. Das ging einher mit sinkenden Marktanteilen nicht nur Deutschlands, sondern aller Industrieländer. 2001 lagen Deutschland und China noch gleichauf mit 8 Prozent Weltmarktanteil – seitdem aber hat das Reich der Mitte seinen Anteil auf mehr als 37 Prozent vervierfacht, während Deutschland auf gut 4 Prozent (2016) zurückfiel. Nach Umsatz erreichte Deutschland 2016 Rang 4, hinter China, den USA und Japan. Schwellenländer wie Indien und Saudi-Arabien holen auf und haben durch massive Investitionen zum Beispiel in petrochemische Anlagen ihre Wettbewerbsfähigkeit zuletzt ausgebaut. Das könnte sich in steigenden Marktanteilen niederschlagen, zumal in Asien die dynamischsten Absatzmärkte liegen.

Einer der größten Trümpfe der deutschen Chemieindustrie sind ihre Mitarbeiter und deren Innovationskraft. Die gerade in den Naturwissenschaften gut aufgestellten Hochschulen, eine weltweit beispielhafte duale Ausbildung und ein dichtes Netz von Forschungseinrichtungen sichern den qualifizierten Fachkräftenachwuchs sowie wichtige Innovationsimpulse. Deutsche Chemieunternehmen haben auch die Chancen von Automatisierung und Digitalisierung früh erkannt und nutzen sie im Wettbewerb. Gleiches gilt für die hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards: „Made in Germany“ ist auch in der Chemie ein weltweit anerkannter und gefragter Qualitätsausweis. Ein weiterer Vorteil sind der soziale Friede und die damit verbundene Planungssicherheit für die Unternehmen. Sie sind das Ergebnis der traditionell guten Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.