Artikel veröffentlicht am  20.09.2018

Chemie-Tarifrunde: Die Fakten zum Chemie-Tarifvertrag

Die Chemie-Arbeitgeber und die IG BCE haben eine Einigung in den Tarifverhandlungen erzielt. Die Einigung gilt für 580.000 Beschäftigte in 1.900 Betrieben der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Diese beinhaltet eine Erhöhung der Tarif-Entgelte, eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, eine deutliche Erhöhung des Urlaubgeldes sowie eine betriebliche Differenzierung. 

Die Chemie-Arbeitgeber und IG BCE haben zudem vereinbart, unverzüglich Gespräche über eine Modernisierung der Chemie-Tarifverträge aufzunehmen und bis zum Ende der Laufzeit Ergebnisse zu liefern („Roadmap Arbeit 4.0“). Der Chemie-Tarifabschluss 2018 im Detail.

Die Tarifentgelte der Chemie-Beschäftigten steigen um 3,6 Prozent. Die ersten beiden Monate der Laufzeit werden mit einem Pauschalbetrag von 280 Euro abgegolten (Auszubildende: 80 Euro). Die Entgeltsteigerung wird damit in den Tarifbezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz zum 1. Oktober 2018 wirksam. In den Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Berlin (West), Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Westfalen gilt dies ab 1. November 2018. Im Saarland und im Tarifbezirk Ost tritt diese Regelung am 1. Dezember 2018 in Kraft. Die bezirklichen Entgelttarifverträge laufen jeweils 15 Monate und gelten entsprechend bis Ende Oktober 2019 bzw. Ende November und Ende Dezember 2019.

Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional erhöht: Auszubildende in den ersten beiden Lehrjahren erhalten 9 Prozent mehr Geld, in den Lehrjahren drei und vier sind es 6 Prozent mehr. Das Urlaubsgeld für Azubis wird von 450 Euro auf 700 Euro angehoben. Zudem erhalten Auszubildende vor der Abschlussprüfung zwei Tage bezahlte Freistellung zur Prüfungsvorbereitung. Mit diesem Paket wollen Arbeitgeber und IG BCE die Attraktivität der Branche für Berufseinsteiger verbessern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Das tarifliche Urlaubsgeld wird deutlich erhöht: Es steigt von 614 Euro auf 1.200 Euro jährlich (40 Euro pro Urlaubstag). Weitergehende Optionen zur Umwandlung des tariflichen Urlaubsgelds in zusätzliche freie Tage wurden nicht vereinbart, sind aber Gegenstand der anstehenden Gespräche im Rahmen der „Roadmap Arbeit 4.0“.

Unternehmen in besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten (mit Verlust im abgelaufenen/laufenden Geschäftsjahr oder Nettoumsatzrendite unter 3 Prozent) können die Pauschalzahlung für die ersten beiden Monate der Laufzeit wegfallen lassen. Diese zusätzliche betriebliche Flexibilität trägt der differenzierten Situation innerhalb der Branche Rechnung.

Um den Herausforderungen der Digitalisierung und des demografischen Wandels zu begegnen, nehmen BAVC und IG BCE unverzüglich Gespräche über die Modernisierung der Arbeitsbedingungen auf. Themen der „Roadmap Arbeit 4.0“ sind Arbeitsvolumen, Arbeitszeitsouveränität, mobiles Arbeiten, Qualifizierung und lebensphasenorientierte Arbeitszeit. Gemeinsames Ziel der Chemie-Tarifpartner ist, die Chancen der modernen Arbeitswelt besser zu nutzen und so mehr Flexibilität für beide Seiten zu ermöglichen. Die Gespräche sollen bis zum Ende der Laufzeit des neuen Tarifvertrages Ergebnisse liefern.

„Diese Einigung ist ein tragfähiger Kompromiss, der harte Verhandlungen zu einem vernünftigen Ende führt“, sagt BAVC-Präsident Kai Beckmann. „Wir beteiligen die Beschäftigten fair am Erfolg der Branche und bringen damit unsere Wertschätzung zum Ausdruck. Zugleich ist dieser Abschluss eine Verpflichtung, weiterhin Leistung auf höchstem Niveau zu bringen. Das ist nötig, um die positive wirtschaftliche Entwicklung fortzusetzen. Besonders wertvoll ist zudem die wechselseitige Zusage, die Modernisierung unserer Tarifverträge mit der Roadmap Arbeit 4.0 in Angriff zu nehmen.“ Beckmann: „Das Signal ist eindeutig: Die Chemie-Sozialpartner wollen die moderne Arbeitswelt gemeinsam gestalten.“

„Der Chemie-Tarifabschluss ist alles andere als billig, aber er passt zur wirtschaftlichen Lage der Branche“, kommentiert BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller. „Mit 15 Monaten Laufzeit und betrieblicher Differenzierung konnten wir die dauerhafte Belastung für die Unternehmen unter die Schmerzgrenze bringen. Zugleich stellen wir sicher, dass den Betrieben bei der Arbeitszeit keine Kapazität verloren geht. Über Arbeitszeitsouveränität und Arbeitsvolumen werden wir im Rahmen der Roadmap Arbeit 4.0 diskutieren. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, und verfolgen ein gemeinsames Ziel: mehr Flexibilität für Unternehmen und Beschäftigte und damit eine höhere Attraktivität für unsere Branche insgesamt.“