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Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Nicht hetzen müssen, um die Kleinen von der Kita abzuholen, oder mehr Zeit für die Pflege von Vater oder Mutter haben: Für 90 Prozent der Beschäftigten mit Kindern oder älteren Angehörigen ist das ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität. Deshalb tun Unternehmen viel für Familienfreundlichkeit. Eine Übersicht darüber, was die Chemie-Unternehmen Eltern und pflegenden Angehörigen anbieten.

Angebote für mehr Flexibilität

Ein wichtiges Hilfsmittel sind Instrumente für flexibles Arbeiten: individuell vereinbarte Modelle, pro Tag oder Woche flexible oder Vertrauens-Arbeitszeit. Expertin Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft hat dazu Daten für den „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ des Familienministeriums ermittelt. „80 Prozent der Firmen nehmen auf Eltern besondere Rücksicht, etwa beim Planen von Arbeitsprozessen oder bei Meetings“, weiß sie aus den Umfragen. Von den Chemieunternehmen bieten nach Angaben des Bundesarbeitgeberverbands Chemie sogar 79 Prozent flexible Arbeitszeitmodelle an.

Was die Chemiebranche möglich macht – Beispiele aus der Praxis:

  • Das Frankfurter Unternehmen Merz Pharma setzt auf Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitmodelle sowie Homeoffice, damit bei Müttern und Vätern Beruf und Familie besser vereinbar sind. Zudem macht das Unternehmen Angebote zur Betreuung von Kindern oder zur Unterstützung von pflegebedürftigen Angehörigen und kooperiert mit der AWO Lifebalance, die Kinderbetreuung oder Pflegedienste vermittelt.

  • Der Essener Konzern Evonik unterhält im Chemiepark Marl ein spezielles Familienbüro. Es ist die zentrale Anlaufstelle für Beschäftigte mit Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Wir helfen beim Ausfüllen von Anträgen oder bei der Suche nach einem Kitaplatz“, sagt Leiterin Susanne Soll. Auch bei pflegenden Beschäftigten sei man zunehmend gefragt.

  • Das Darmstädter Unternehmen Merck bietet der Belegschaft ein innovatives Arbeitszeitmodell, mywork@merck genannt. Die Beschäftigten können sich die Arbeitszeit zwischen 6 und 19 Uhr frei einteilen, dabei auch in Blöcken, mit längeren Tagen oder (sofern möglich) zuhause arbeiten. Dabei müssen sie allerdings die Teamregeln beachten, etwa für regelmäßige Meetings.

  • Ein spezielles Angebot hat auch Bayer Vital: Die Vertriebsgesellschaft für Arzneimittel des Bayer-Konzerns bietet – einmalig in Deutschland – ihren 700 Außendienstkräften die Möglichkeit an, vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten. Sie können die Arbeitstage auf bis zu zwei pro Woche verringern, vorausgesetzt dass sich ein „Tandempartner“ findet, mit dem sie den Job teilen.

  • Der Hersteller von Kunststoff-Folien Renolit mit Sitz in Worms hat für die Pflege einen eigenen Fonds: An den fünf deutschen Standorten haben Arbeitgeber und Beschäftigte drei Jahre lang in diesen Pflegefonds eingezahlt. Dank dieser Summen können pflegende Beschäftigte ihre Arbeitszeit bis zu zwölf Monate lang auf maximal 50 Prozent verringern, ohne dass sie signifikant weniger verdienen. Aktuell wird der Fonds nicht weiter aufgestockt, weil noch genug Reserven vorhanden sind.

Engagement der Chemie-Sozialpartner

Zusätzliche Möglichkeiten auf Ebene des jeweiligen Chemieunternehmens bietet der Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie. Da sind zum einen Langzeitkonten möglich, aus deren Guthaben sich Eltern- oder Pflegezeiten finanzieren lassen. Zum anderen kann der Demografiefonds ermöglichen, dass Beschäftigte einige Monate kürzer arbeiten und trotzdem voll verdienen. Voraussetzung ist aber in beiden Fällen eine Betriebsvereinbarung. Seit vielen Jahren bringen die Tarifpartner der Chemieindustrie das „Arbeiten und Leben in Balance“ gemeinsam voran, zuletzt mit einer modernisierten Sozialpartnervereinbarung.

 

Vor einem Problem aber können Eltern auch bei aller betrieblichen Unterstützung stehen: In Deutschland gibt es zu wenig Kitaplätze. Verstärkt greifen Unternehmen deshalb zur Selbsthilfe, kooperieren mit einer Einrichtung oder betreiben für viel Geld eine Betriebskita. Deren Zahl hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt:

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