FAQ veröffentlicht am  15.11.2018

Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld: Was ist das eigentlich? Wer hat einen Anspruch darauf? Und wie viel zahlt die Chemie-Industrie?

Die wichtigsten Fakten zu Sonderzahlungen

Das Urlaubsgeld ist eine zusätzliche Zahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer. Es kann unabhängig vom Urlaub zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgezahlt werden oder zusammen mit dem tatsächlichen Urlaub.

Auch das Weihnachtsgeld ist ein zusätzliches Entgelt, das in der Regel zum Jahresende ausgezahlt wird. Ursprünglich ist es eingeführt worden, um Arbeitnehmer beim Kauf von Geschenken und der Organisation des Fests zu unterstützen.

Laut einer Umfrage des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) bekommen in Deutschland 55 Prozent der Arbeitnehmer Weihnachtsgeld. Dabei ist der Anteil der Empfänger unter Beschäftigten in Unternehmen mit Tarifvertrag mit 74 Prozent wesentlich höher als bei Arbeitnehmern ohne Tarifvertrag: Von ihnen bekommen nur 44 Prozent Weihnachtsgeld. Ähnlich sieht es beim Urlaubsgeld aus, das 73 Prozent der Arbeitnehmer tarifgebundener Unternehmen erhalten, aber nur 38 Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen ohne Tarifbindung.

Auch zwischen den Branchen schwanken die Anteile der Empfänger von Zusatzentgelten stark: So erhielten 66 Prozent der Arbeitnehmer des Verarbeitenden Gewerbes 2017 Urlaubsgeld, zu dem auch die Chemie- und Pharmaindustrie gehört. Dagegen gaben nur 22 Prozent der Beschäftigten aus der Informations- und Kommunikationsbranche an, Urlaubsgeld zu bekommen.

Es gibt keinen grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Allerdings kann sich ein Anspruch ergeben, wenn die Sonderzahlungen im Arbeitsvertrag geregelt sind, es eine betriebliche oder eine tarifliche Vereinbarung dazu gibt und der Tarifvertrag für das Arbeitsverhältnis angewendet wird. Ein Anspruch kann sich auch ergeben, wenn es eine sogenannte betriebliche Übung gibt, weil Urlaubs- oder Weihnachtsgeld regelmäßig gezahlt werden.

Bei den tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldern schwanken die Leistungen zwischen 155 und 2.355 Euro in der mittleren Vergütungsgruppe. Die Beschäftigten in der Landwirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe bekamen zuletzt mit gut 200 Euro in West- und zwischen 155 und 190 Euro in Ostdeutschland den geringsten Zuschuss zur Urlaubskasse. In der Holz- und Kunststoffindustrie lagen die Sonderzahlungen mit bis zu 2.355 Euro am höchsten.

Viele Branchen haben ihr Urlaubsgeld zuletzt erhöht. Besonders viel haben die Chemie-Arbeitgeber aufgeschlagen: Nach einer Erhöhung von 614 auf 1.200 Euro jährlich durch den Tarifabschluss 2018 können Arbeitnehmer mit fast doppelt so viel Budget an ihre Urlaubsplanung gehen.

Beim Weihnachtsgeld wird meist ein fester Prozentsatz vom regulären Monatseinkommen bezahlt. Grundsätzlich ist die Zahlung von Weihnachtsgeld in den meisten Wirtschaftszweigen tarifvertraglich festgehalten. Dort, wo die Tarifabschlüsse dieses Jahr höher ausgefallen sind, steigen auch die tariflichen Weihnachtsgelder stärker.

In der chemischen Industrie wird das Zusatzentgelt zum Jahresende als Jahresleistung bezeichnet. Sie liegt bei 95 Prozent des monatlichen Tarifentgelts. Nach der jüngsten Tarifeinigung, die die Entgelte für eine Laufzeit von 15 Monaten um 3,6 Prozent erhöht, steigt also auch die Jahresleistung entsprechend.

Alle Ergebnisse der Chemie-Tarifrunde 2018 finden Sie in unserer Analyse.

Für die Tarif-Mitarbeiter der Chemie zahlt der Arbeitgeber über das Urlaubsgeld und die Jahresleistung hinaus jährlich 750 Euro pro Kopf in den tariflich vereinbarten Demografiefonds ein. Dieser Betrag fließt auf Grundlage einer freiwilligen Betriebsvereinbarung in die Finanzierung eines oder mehrerer der folgenden Zwecke ein: Langzeitkonten, Altersteilzeit, Teilrente, Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, tarifliche Altersvorsorge, reduzierte Vollzeit mit z. B. 80 Prozent Arbeitszeit, Gesundheitsvorsorge.

Außerdem gibt es in der Chemie einen Anspruch auf tarifliche Altersvorsorge: Das sogenannte Chemie-Modell beruht auf dem Prinzip der sogenannten Bruttoentgeltumwandlung. Jedem Vollzeitbeschäftigten steht dazu jährlich ein Grundbetrag von 478,57 Euro zu. Obendrauf gibt es 134,98 Euro Förderung für den Aufbau einer zusätzlichen Altersversorgung. Dadurch können Arbeitnehmer also jedes Jahr bis zu 614 Euro in die Altersvorsorge investieren, ohne dass sich ihr Nettoeinkommen verringert. Wollen sie noch mehr investieren, legt der Arbeitgeber 13 Euro für jede weiteren 100 Euro drauf, die der Arbeitnehmer aus dem eigenen Entgelt umwandelt – bis zu einer gesetzlich festgelegten Obergrenze. In vielen Unternehmen wird auch der Demografie-Betrag von bis zu 750 Euro eingesetzt, um die Altersvorsorge zu stärken.

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